Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Egal, wie sehr du dich anstrengst, egal wie viel du reflektierst, lernst, an dir arbeitest – innerlich fühlt es sich nie ausreichend an. Nie ganz richtig. Nie gut genug.
Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Je mehr du dich anstrengst, um dieses Gefühl loszuwerden, desto stärker wird es oft.
Nicht, weil mit dir etwas nicht stimmt. Sondern weil deine Anstrengung unbewusst genau den Glaubenssatz nährt, der dich schon so lange begleitet: So wie ich bin, reiche ich nicht.
Warum mehr Anstrengung alles schlimmer macht
Viele Menschen glauben, sie müssten sich nur genug bemühen, dann würde sich irgendwann dieses innere Defizitgefühl auflösen. Mehr leisten. Besser funktionieren. Bewusster sein. Reifer sein.
Doch wenn dein innerer Antrieb aus einem alten Mangel kommt, passiert etwas Entscheidendes: Jede neue Anstrengung bestätigt deinem Inneren erneut, dass du noch nicht richtig bist. Du versuchst, dich gut genug zu machen, statt dich gut genug zu fühlen.
Das bringt vielleicht kurzfristig Erleichterung – langfristig aber Erschöpfung, innere Leere und Selbstzweifel.
Die eigentliche Ursache: Aufwachsen mit narzisstischen Eltern
Besonders häufig zeigt sich dieses Muster bei Menschen, die mit narzisstischen Eltern aufgewachsen sind.
Narzisstische Eltern erleben ihr Kind nicht als eigenständige Person mit eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Grenzen. Das Kind wird – oft unbewusst – als Objekt genutzt: für das eigene Image, den eigenen Status, das eigene emotionale Gleichgewicht.
Gefühle des Kindes werden nicht wirklich gesehen oder begleitet. Bedürfnisse haben keinen Raum.
Stattdessen liegt der Fokus auf:
- Leistung
- Anpassung
- Funktionieren
- „Richtig sein“ nach aussen
Das Kind lernt nicht: Ich bin falsch. Es lernt etwas viel Tieferes:
Wenn ich einfach so bin, wie ich bin, reiche ich nicht. Ich muss mehr machen.
Warum du dieses Muster heute noch lebst
Als Kind war dieses Verhalten überlebenswichtig. Anpassung, Leistung und Wachsamkeit haben dir Sicherheit gegeben. Sie haben Nähe ermöglicht – oder zumindest Konflikte reduziert.
Heute bist du erwachsen. Doch dein System lebt dieses Muster weiter. Du strengst dich an. Du wartest auf Anerkennung. Du vergleichst dich. Du lobst dich selbst hauptsächlich dann, wenn du funktioniert oder etwas erreicht hast.
Was dich früher geschützt hat, macht dich heute unglücklich.
Der Wendepunkt: Aufhören, dich selbst zu verlassen
Heilung beginnt nicht dort, wo du dich weiter verbesserst. Sondern dort, wo du aufhörst, dich selbst nur dann zu sehen, wenn du etwas leistest.
Das bedeutet:
- Deine Gefühle wahrnehmen, ohne sie sofort verändern zu wollen
- Deine Bedürfnisse ernst nehmen, auch wenn niemand darauf reagiert
- Dich selbst sehen – nicht nur im Funktionieren, sondern immer
Nicht als neue Aufgabe. Nicht als weiteres Projekt.
Sondern als innere Haltung.
Dein Selbstbild bewusst machen
Ein wichtiger Schritt ist, dein bisheriges Selbstbild sichtbar zu machen.
Schreibe dir auf:
- Was hast du über dich gelernt?
- Welche Sätze hast du gehört oder unausgesprochen übernommen?
- Wie hast du dich selbst bisher gesehen?
Nicht um dich zu verurteilen – sondern um zu erkennen, aus welcher inneren Geschichte du bisher gelebt hast.
Eine neue innere Ausrichtung
Es geht nicht darum, jemand Neues zu werden. Sondern darum, das Alte nicht weiterzuspielen.
Du darfst dich bewusst fragen:
- Wer bin ich, wenn ich nichts leisten muss?
- Wie würde ich leben, wenn ich nicht auf Bestätigung von aussen warten würde?
Du kannst dir deine neue innere Ausrichtung aufschreiben – nicht als Druck, sondern als Erinnerung. Nicht perfekt. Sondern bewusst.
Und jedes Mal, wenn alte Gedanken auftauchen – Ich bin nicht gut genug – halte kurz inne: Wer spricht hier? Ist das wirklich meine Stimme?
Und dann darfst du innerlich klar sagen: Das bin ich nicht mehr.
Abschliessende Gedanken
Du wirst dich nicht gut genug fühlen, wenn du dich genug anstrengst.
Du wirst dich gut genug fühlen, wenn du beginnst, dich selbst zu sehen – ohne Bedingungen.
Begleitung auf diesem Weg
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